Tagebuch von Anna Pro

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Ausbildungsland Lettland
Geburtsdatum 22.11.1996
Ausbildung
Studierende/r
Soziale Netzwerke & Rss

Anna Pro, am 03.09.2020 um 10:36

Part 4: Everything came different than expected

Über Unsicherheit, schnelle Entscheidungen, Heimreise und das Verabschieden

So ging es also dahin, frei, locker, entspannt - die ersten paar Wochen in Riga, währen das Thema Coronavirus immer präsenter wurde. Niemand dachte wohl daran, dass ein Virus so einen Einfluss haben könnte, aber er hat es und mein Auslandssemester lief im Endeffekt komplett anders ab als geplant. Denn schon am 15.3.2020, am Tag vor der Ausgangssperre in Österreich, sollte ich im Flugzeug Richtung Österreich sitzen.

Die ganze Situation wurde immer unsicherer, keine hatte Informationen, keiner wusste was passieren sollte. In Österreich sperrten Schule und Universitäten zu, es waren nicht mehr als 100 Leute in einem Raum erlaubt, jeder sollte, wenn möglich zu Hause bleiben – in Riga war alles wie immer. Ganz Italien war geschlossen. Familienmitglieder riefen von zu Hause an und waren besorgt. Erst verstand ich nicht warum, denn wie gesagt in Riga war alles normal und niemand sprach über Corona. Aber langsam passierte dann auch in Lettland etwas. Nach ein paar Tagen sperrte auch unsere Universität zu und ich, und viele andere Erasmusstudenten, begannen zu überlegen, was jetzt wohl passieren würde. Niemand wusste ob es besser war zu bleiben oder die Heimreise anzutreten. Niemand wusste ob es eine Möglichkeit geben würde, wieder zurückzukehren und wie sich alles entwickeln würde. Weder in Riga noch in Österreich oder bei der Botschaft konnte einem gesagt werden was los ist. Niemand hatte Informationen.

Schlussendlich musste jeder diese Entscheidung für sich selbst treffen, und ich entschied mich dafür, nach Österreich zurückzukehren. Auch immer mehr Kollegen verließen Lettland, um zu ihren Familien nach Hause zu fliegen. Zuerst dachte ich darüber nach, ein paar Wochen zu Hause zu sein, und dann eventuell im Mai oder Juni wieder nach Riga zu reisen, um meine Kurse and der RTU abschließen zu können. Aber da alle Kurse und Prüfungen sowieso online stattgefunden haben, war es kein Problem alle von Österreich abzuschließen und im Endeffekt sperrte die RTU das ganze Semester lang nicht mehr auf, also kehrte ich auch nicht mehr zurück.

Ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde, sind meine letzten Stunden in Riga. Samstagabend, am Tag vor der Abreise, kamen noch Freunde vorbei um sich zu Verabschieden (diejenigen die noch in Riga waren) und wir hatten einen lustigen Abend, der gleichzeitig schön war, aber auch traurig. Am nächsten Morgen um 6 Uhr, fuhr ich zum Flughafen und die Sonne ging gerade über Riga auf. Das Wasser des Daugava River glänzte und glitzerte als wir die Brücke überquerten, Riga zeigte sich von seiner schönsten Seite als wir die Stadt einmal komplett durchquerten. Ich saß im Auto und schaute aus dem Fenster. Ich dachte an alles, das geplant gewesen wäre, an alles, das ich in Lettland noch erkunden hätte können. Daran, dass eigentlich am nachfolgenden Tag unsere Lappland Reise gestartet wäre. Aber stattdessen war ich am Weg nach Österreich mit einem weinenden Auge und einem Lachenden. Ich war glücklich meine Familie bald wieder zu sehen und über alle Erlebnisse, die ich machen durfte. So ließ ich Riga zurück und verabschiedende mich vorerst von meinem Auslandssemester, von Riga und allen Menschen, die ich dort ins Herz geschlossen hatte.