Wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass ich in Belgien mit Menschen Hockey spielen würde, obwohl wir keine gemeinsame Sprache sprechen, hätte ich mich wohl gefragt: „Wie?“
Ich bin Ben Leitner, 16 Jahre alt, spiele Hockey beim AHTC und bin angehender Jugendtrainer. Mit Erasmus+ Sport durfte ich heuer über den eigenen Hockeyplatz hinausschauen. Nach einem coolen Reise nach Hamburg ging es in der Sommerferien nach Belgien.
Unser Ziel: von anderen Trainern lernen, selbst Trainings gestalten und herausfinden, was einen guten Coach wirklich ausmacht.
Ein besonderer Schwerpunkt war Special Hockey. Bei beiden Reisen wollten wir solche Trainings kennenlernen, zuschauen und selbst mitmachen. Wir wollten sehen, wie Hockey für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen funktioniert und was wir davon für unsere eigene Trainertätigkeit mitnehmen können.
Was ich nicht erwartet hatte: Dass mich diese Reise nicht nur sprachlich und persönlich herausfordern, sondern mir eine ganz neue Hockeywelt zeigen würde – eine, die es bei uns in Österreich bisher noch nicht gibt.
Schon bei unserer ersten Station, dem Hockeycamp in Namur, wurde es spannend. Ich dachte, mit Englisch komme ich locker durch. Doch viele sprachen hauptsächlich Französisch – blöd nur, dass ich Italienisch lerne! Also erklärte ich mit Händen, Füßen und auf Englisch. Nicht immer einfach, manchmal ziemlich lustig. Aber es hat funktioniert.
Wir schauten erfahrenen Trainern über die Schulter, begleiteten Trainings und wurden selbst aktiv. Dabei merkte ich schnell - Trainer sein heißt mehr, als Hütchen aufzustellen und los zupfeifen. Man muss erklären, motivieren, spontan reagieren und Verantwortung übernehmen.
Und dann kam Special Hockey – Eine Hockeywelt, die wir so noch nicht kannten.
Rund um die erste Special Hockey-Weltmeisterschaft in Louvain La Neufe durften wir die Nationalteams aus Deutschland und Belgien kennenlernen. Wir schauten beim Aufwärmen, bei Trainings und Spielen zu und konnten beim Meet & Greet den Spielern, Betreuern und Trainern persönlich unsere Fragen stellen.
Spannend war zu sehen, wie viel genauso abläuft wie bei unseren Trainings – und wo es Unterschiede gibt. Die Kommunikation war individueller, der Umgang miteinander oft behutsamer.
Das hat uns gezeigt, dass Hockey zwar für alle gleich beginnt, aber nicht für alle gleich funktioniert.
Doch wir sollten nicht nur zuschauen, sondern selbst aktiv werden.
Beim Side Event „Hockey Together“ im Rahmen der Para Hockey WM standen wir einen ganzen Tag mit Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen auf dem Hockeyplatz.
Die Begeisterung der Trainer war total ansteckend. Sie waren mit ganzem Herzen dabei und zeigten uns, wie viel man mit Freude und einer lockeren Art erreichen kann. Schon bald waren Aufregung und Zurückhaltung vergessen.
Wir probierten eigene Ideen aus, lachten und machten auch mal Blödsinn gemeinsam mit den Specials.
Dabei mussten wir oft umdenken. Was bei einem Spieler funktionierte, passte beim nächsten vielleicht gar nicht. Wir erklärten Übungen anders, suchten neue Lösungen. Nicht alles klappte sofort, aber genau das machte es spannend.
Natürlich waren wir manchmal ratlos und mussten improvisieren. Wenn wir nicht weiterwussten, half uns ein Trainer oder Betreuer mit einem Tipp – auch, wenn es darum ging, einen Jugendlichen auf eine andere Art zu erreichen.
Am Morgen noch aufgeregt und unsicher, am Abend überrascht, stolz und voller Glücksgefühle, weil es viel besser geklappt hatte, als ich es mir vorgestellt hatte.
Solche Momente haben ich und meine Freunde auf beiden Reisen immer wieder erlebt. Ich merkte, dass ich viel mehr schaffe, als ich mir anfangs zutraue.
Heute weiß ich: Man muss nicht immer dieselbe Sprache sprechen, um sich zu verstehen. Manchmal reicht ein Hockeyschläger und die Freude daran, gemeinsam etwas auszuprobieren.
Wir sind losgefahren, um bessere Jugendtrainer zu werden. Wir sind als Trainer nach Hause gekommen – aber nicht als dieselben, die losgefahren sind.
Special Hockey hat uns gezeigt, wie viel möglich ist, wenn wir aufeinander zugehen und jeder die Chance bekommt, Teil des Teams zu sein.
Ich finde, solche Erfahrungen sollten in der Ausbildung jedes Jugendtrainers Platz haben. Denn man versteht erst richtig, was Inklusion bedeutet, wenn man selbst mittendrin ist.
Ich glaube fest daran, dass wir in naher Zukunft auch in Österreich Menschen die Möglichkeit geben können, inklusives Hockey zu spielen.