Meine dritte Erasmuswoche begann süß – gerade noch rechtzeitig vor Ende Jänner besorgten wir uns einen „Galette du roi“, also Dreikönigskuchen – unserer war aus Blätterteig, mit Mandelcreme gefülllt und in meinem Stück fand ich sogar die eingebackene Porzellanfigur! So lernten wir langsam immer mehr französische Bräuche kennen.
Aber auch bildeten sich schon eine Freundschaftsgruppe, gemeinsam mit einigen Mädels kochten wir abends gemeinsam im Heim, was die Zeit in den leider sehr einfachen und nicht immer saubereren Küchen um vieles angenehmer machte! Da endlich auch die südfranzösische Sonne ihre Kraft zeigte, begannen wir untertags auch in Parks zu gehen, um dort zu lernen, lesen oder einfach nur gemeinsam zu picknicken – Anfang Februar!
Da meine Freundinnen am nächsten Wochenende entweder krank waren oder schon Besuch von Freund:innen oder Familie bekamen, machte ich einen Ausflug mit einer neuen Gruppe, wovon viele aus Italien und Südamerika kamen. Wir fuhren mit unserem 2€ Tagesticket („La Carte“ – zahlt sich sofort aus für alle unter 26!) nach Martigues, einem sehr hübschen, aber verschlafenen Fischerdorf. Mir kam es schon bekannt vor und bald wusste ich woher – ein Foto davon ist einer der zufälligen Windows-Startbildschirmschonern. Beim Mittagessen in Nähe des Wasserkanales war die einzige vegetarische Option ein Salat – mit abbestelltem Speck… - es war aber trotzdem okay, weil die Frühlingssonne im Gesicht das alles wettmachte.
Und auch die Unitage in Aix starteten, ich entdeckte die Bibliotheque Universitaire für mich zum Lernen und lernte dort besonders die späten Nachmittagsstunden zu schätzen, denn diese winterlichen Sonnenuntergänge waren besonders schön! Wir begannen mit einem Kletterkurs beim Sportinstitut, der aber anfangs für mich sprachlich noch herausfordernd war, da alle anderen nur auf Französisch miteinander sprachen. Mit jedem Mal ging es besser – bis ich wegen einer weiteren Erkältung pausieren musste…
Am nächsten Wochenende machten Maria, eine italienische Freundin und ich den ersten großen Ausflug: Wir fuhren nach Nizza (auf französisch: Nice). Mit dem Flixbus starteten wir früh am Samstagmorgens, wollten den Karneval besuchen und einmal in einem Hostel übernachten. Nur mussten wir bei Ankunft feststellen, dass das Hostel für die Nacht zuvor gebucht worden war! Glücklicherweise fanden wir noch eine leistbare Ersatzunterkunft obwohl die meisten Hostels wegen des Karnevals schon ausgebucht waren. Der Karneval selbst war schillernd bunt und ein schöner Umzug! Es gab viele Tänzer:innen in kreativen Kostümen und die Wägen mit riesigen Figuren zeigten auch gesellschaftskritische Themen wie die Machtdominanz von Facebook, Google und Co oder Umweltzerstörung. Wir genossen es sehr und trafen zufällig sogar andere Erasmus-Studis aus Aix! So war unser Fazit zu Nizza eindeutig „nice“!