Tagebuch von Carolin Oberleiter

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Ausbildungsland Niederländische Antillen
Geburtsdatum 09.07.1999
Ausbildung
Studierende/r
Soziale Netzwerke & Rss

Carolin Oberleiter, am 09.11.2020 um 20:06

Aruba – Dushi Tera: Auf einmal offline

Part 5


Eines Tages war ein betrunkener Fahrer in einen Masten neben der Straße gefahren. Das führte dazu, dass wir von heute auf morgen kein WLAN mehr im Appartement hatten. Was an sich nicht schlimm ist, wenn man keinen Kontakt zur Außenwelt haben möchte und auch nichts für die Uni erledigen muss oder möchte. Pures einsame-Insel-Feeling… Ich gebe zu, in der ersten Woche fand ich es sogar erfrischend, nicht online sein zu können.

Aber: Wie oft hat mich meine Freundin was gefragt und ich ihr geantwortet: „Moment ich schau kurz nach“, und umgekehrt. Von Rezepten, Filmen, Sehenswürdigkeiten und Abgabefristen bis hin zum Busfahrplan. Ja, da wird einem wieder klar wie abhängig man eigentlich vom Internet ist. Traurig eigentlich.

Dazu kommt: Auf Aruba passiert alles, wie schon gesagt „mit Ruhe und Gemütlichkeit“. Unser Vermieter hatte uns schon vorgewarnt. Auch er saß natürlich auf dem Trockenen und rief immer wieder wütend bei der Auskunft an. Die Reparaturen haben sich gefühlt ewig hingezogen. Knapp einen Monat lang ging in unserer kleinen Wohnung absolut nichts. Dafür war dir Freude umso größer, als wir endlich wieder Verbindung hatten.

Versteht mich nicht falsch, ich liebe es, offline zu sein und auf Aruba weiß man sich wirklich anders zu beschäftigen. Aber in der Zeit war das Internet für mich eine Art Quelle der Ablenkung. Ihr müsst noch etwas über mich wissen, um das zu verstehen: Partys und Alkohol haben mich noch nie interessiert. Ich ziehe die Ruhe lauter Musik vor und fühle mich in Menschenmengen äußerst unwohl. So war es immer und so wird es auch bleiben. Spannende Ausflüge, Sportaktivitäten, LAN Partys oder gemütliche Jam Sessions am Strand sind mir da lieber. Und meine Freundinnen und Freunde wussten und akzeptierten das. Tagsüber verbrachten wir wunderschöne Stunden am Strand und am Abend genoss ich es oft, Zeit für mich zu haben und war froh, wenn meine Freundin sicher wieder im Apartment ankam. Die langen Gespräche mit ihr und die plötzlichen Lachanfälle in der Nacht habe ich übrigens geliebt.

Da ich im Gegensatz zu den meisten nachts fast nie weg war, führte die mangelnde Ablenkung natürlich ab und zu auch dazu, dass ich Vieles wieder bewusster und stärker vermisst habe.
Am meisten wohl meine Familie und meinen Freund Fabian. Mein richtiges Tagebuch, welches ich schon nach wenigen Tagen vernachlässigt habe, beginnt mit den Worten: „Der Mensch gewöhnt sich an Vieles, aber niemals daran, Abschied zu nehmen.“ Ebenfalls vermisst habe ich das leckere Essen. Ihr müsst wissen, mein Freund experimentiert unglaublich gerne in der Küche und hat mir die Liebe zum Kochen wohl mit der Zeit weitergegeben. Ragù, Brot, gebrannte Mandeln, Macarons, Joghurt, Sirup, Tiramisù, Pizzateig, Cheesecake, Tacos, Sushi und Pasta from the scratch. Alles wird selbst gemacht. Auswärts essen wir nicht mal einmal im Monat. 

Im Airbnb dann der „Schock“: Kein Backofen. Mit backen konnte ich mich wohl auch nicht ablenken. Wie oft haben meine Freundin und ich von einer perfekten Lasagna al forno geträumt. Am liebsten mit Camembert überbacken. Naja, Bananen-Pancakes und Spaghetti taten es ja auch. Zugegeben, diesmal mit Tomatensoße aus dem Glas. Die Alternative? 4 Tomaten für 4 Euro… Ja, frisches Obst und Gemüse lernt man auf Aruba erst richtig zu schätzen. Bei Fleisch und Milchprodukten sah es da nicht anders aus. Alles, wirklich alles (bis auf Aloe Vera vielleicht) muss importiert werden und ist darum sehr teuer.

Zugegeben, abwechslungsreiche Ernährung sieht anders aus. Auch unsere einheimischen Mitstudenten zogen Fast Food oft einer selbst zubereiteten Mahlzeit vor. Und so kam es zu meiner ersten Bestellung bei Taco Bell. Und es sollte nicht meine letzte gewesen sein. 😉 Andere Fast-Food-Ketten sind auf der Insel ebenfalls vertreten, wobei uns von manchen auch stark abgeraten wurde. Dem fehlenden Backofen und den hohen Lebensmittelpreisen geschuldet blieb es also bei unserem all-time-favourite Taco Bell.
Zum Thema Essen vielleicht noch ein kleiner Punkt, der für Betroffene relevant sein wird: Es ist wirklich schwer, auf Aruba laktosefreie Milch aufzutreiben und wenn, dann ist sie sehr teuer. Glutenfreies Mehl gab es scheinbar gar nicht. 

Ich, wie ich mit einem Kamel Freundschaft schließe. :)