Tagebuch von Carolin Oberleiter

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Ausbildungsland Niederländische Antillen
Geburtsdatum 09.07.1999
Ausbildung
Studierende/r
Soziale Netzwerke & Rss

Carolin Oberleiter, am 09.11.2020 um 19:34

Und dann war es plötzlich Sommer

Part 4

Wir schreiben den 1. Februar 2020. Ich steige aus dem Flugzeug, leicht verwirrt mit meiner kuscheligen, gelben Winterjacke im Arm. Bei gefühlten 35 Grad. Ich muss gestehen, ich fand das irgendwie lustig. Zum ersten Mal seit Langem verspürte ich das Gefühl unendlicher Freiheit.

Unser Vermieter holte meine Freundin, ihre Schwester und mich dankenswerterweise am Flughafen ab. Und gleich das erste Fettnäpfchen: Ich peilte das falsche Auto an. Ups. Der Kofferraum des danebenstehenden, kleinen Mitsubishis bot gerade einmal Platz für die Hälfte der Koffer. Da hatte wohl jemand das Gepäck von 3 Mädels maßlos unterschätzt. Auf jeden Fall lag einer der großen Koffer die ganze Fahrt über auf seinem Schoß, sodass er fast nichts mehr sehen konnte. Ich dachte mir noch: Wie soll das funktionieren, so kann man doch nicht fahren, bis ich bemerkte, dass seine Lebensgefährtin am Steuer saß. Das Lenkrad war auf der rechten Seite. Die turbulente Fahrt zum Airbnb war gerade genau das Richtige für mich und brachte mich zum Lachen.

Aber warum eigentlich Airbnb? Die Gründe, warum meine Freundin und ich uns dafür entschieden hatten:

- Bessere Lage: In 5 Minuten konnten wir die University of Aruba zu Fuß erreichen

- Dadurch mussten wir nicht zwangsläufig ein Auto mieten und sparten viel Geld

- Die von der Uni vorgeschlagenen Unterkünfte wirkten viel teurer, im Nachhinein gab es scheinbar einen Fehler auf deren Website. Trotzdem war das einem Hotel ähnelnde Studentenwohnheim sehr abgeschieden und ein Auto daher unumgänglich.

Von unserem Balkon aus konnte ich Palmen und Kreuzfahrtschiffe sehen. Es war unglaublich schön. Obwohl wir noch am selben Tag die Hauptstadt Oranjestad (die im Übrigen sehr klein ist, so wie die gesamte Insel) erkundeten, waren wir mental noch lange nicht angekommen. Noch Wochen später sagte jemand von uns oft plötzlich: Wir sind wirklich in der Karibik! Und sogar Monate später ertappte ich mich, wie ich freudestrahlend wieder eine Palme fotografierte. Als hätte ich noch nie eine gesehen. 

Was machte ich hier eigentlich? Richtig: Studieren. Zwischen Sonne, Strand und Palmen hatten wir natürlich auch einige Kurse zu absolvieren. Und lasst Euch sagen: Die University of Aruba ist ein Kunstwerk für sich. Mit großen Innenhöfen, mit Blumen, Sträuchern und Bäumen geschmückt. Einheimische erzählten uns, die heutige Universität wäre früher einmal ein Kloster gewesen. Die heutige Aula befindet sich tatsächlich im Inneren einer alten Kapelle, welche noch heute an die alten Zeiten erinnert. Die Klassenräume sind so klein, dass sie mich an meine Grundschulzeit erinnern. Nur kalt war es dort im Vergleich zu draußen. Wer sich schnell aufgrund der Klimaanlage erkältet sollte darum auch eine längere Jeans einpacken.  

Die Dozentinnen und Dozenten waren wirklich bemüht und freundlich und kommen, genau wie unsere Lehrenden an der FH, größtenteils direkt aus der Praxis. Viele von ihnen waren im internationalen Umfeld tätig oder sind es noch immer. Der Unterricht auf Aruba unterscheidet sich vor allem durch die zahlreichen Gruppenarbeiten und Abgaben von der FH. In diesem Zusammenhang haben meine Freundin und ich nicht nur kulturelle Kompetenzen erlangt, sondern auch Leadership Skills entwickelt, weil auf Aruba alles „mit Gemütlichkeit“ angegangen wird. Dort kommt es schon mal vor, dass Teamkolleginnen und -kollegen Deadlines vergessen, oder sich bis einen Tag vor Abgabe gar nicht melden. Kann ja mal passieren, wozu hat man denn die Internationals? Alles in allem haben Projekte, wie das Designen einer App, das Verfassen eines Strategischen Marketing Plans und die Analyse und Verbesserung einer realen Website jedoch großen Spaß gemacht. Und die Nachmittage am Strand verhalfen uns international Studierenden zu einer Work-Life-Balance, wie wir sie noch nie erlebt hatten.


Karneval auf Aruba