Jetzt bin ich schon knapp sechs Wochen wieder zurück in Österreich, war in der Zeit viel in den Bergen, hab mein Praktikum begonnen und verbringe eigentlich die meiste Zeit hinter meinem Schreibtisch.
Aber eigentlich müsst ich doch ganz wo anders sein!
Einmal von Anfang an. Mitte März bin ich mit Tränen in den Augen und schweren Herzens in ein Flugzeug Richtung Asien gestiegen. Ich war noch nie in Asien. Und ich war auch noch nie länger als ein Monat am Stück von zuhause weg. Trotzdem war für mich klar, dass ich mein Auslandssemester unbedingt nutzen möchte, um einmal etwas ganz anderes zu erleben. Für mehrere Monate wirklich einer komplett anderen Kultur erleben, Menschen aus der ganzen Weltkennenzulernen und einmal aus meiner gewohnten Umgebung herauszukommen.
Die Entscheidung für Kuala Lumpur ist dabei eher spontan gefallen. Ich wollte bewusst nicht in ein Land, das mir ohnehin schon sehr vertraut ist. Ich wollte etwas Neues, und Asien hat mich schon immer interessiert. Gleichzeitig war natürlich auch einiges an Vorbereitung notwendig: Bewerbungen, Organisation der Universität, Flüge, Visum, Unterkunft und natürlich die vielen kleinen Dinge, über die man sich vorher Gedanken macht. So richtig vorstellen, wie es dann tatsächlich sein würde, konnte ich mir trotzdem nicht
. In Kuala Lumpur teilte ich mir das Apartment mit zwei Mädels aus meinem Studium, die ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich kannte. Während unserer gemeinsamen Zeit in Malaysia sind wir zu richtig guten Freundinnen geworden und ich bin unendlich froh, all diese Erfahrungen mit ihnen geteilt zu haben.
Natürlich sind wir auch zur Uni gegangen, haben andere Studenten kennengelernt, konnten die Wirtschaft aus einem komplett anderen Blickwinkel entdecken, haben neue Sachen gelernt, den Campus erkundet, viele gute Mittagessen in der Cafeteria gegessen und schlussendlich auch unsere Prüfungen geschrieben. Und das waren auch echt coole und spannende Erfahrungen, aber um das soll es in der Geschichte heute nicht wirklich gehen.
Ich hab mir von Kuala Lumpur schon einiges erwartet, aber diese Stadt ist wirklich unglaublich. Am Anfang war alles ein bisschen überwältigend – die Hitze, die riesige Stadt, ein anderer Kontinent, die neue Uni. Aber nach zwei, drei Wochen konnte ich gar nicht glauben, dass ich wirklich hier bin. Kuala Lumpur ist eine wunderschöne Stadt und hat extrem viel zu bieten. Die Locals sind super lieb, das Essen ist hervorragend, die Shoppingmalls hab ich lieben gelernt, die Stadt ist sehr grün und man kann fast alles machen, was es so gibt.
Um 23 Uhr ins Mamak gehen und ein Roti Canai essen? Kein Problem! Oder um 21 Uhr in eine Mall fahren? Haben wir auch sehr oft gemacht! Im 53. Stock mit Blick auf die Skyline an einem Dienstag ein Cola trinken? Das ist schon fast zu unserer Tradition geworden! Einen Affen in der Stadt im Park sehen? Ganz normal! Am Wochenende auf eine tropische Insel fahren und mit Haien schwimmen? Klingt super!
Malaysia ist ein wirklich tolles Land! Nichtsdestotrotz ab ich viele Dinge in den fünf Monaten erlebt, die Kuala Lumpur und den malaysischen Inseln große Konkurrenz machen. Angefangen hat es mit einem Wochenendtrip nach Hanoi, Vietnam. Das war viel gutes Chaos, sehr leckeres Essen, lieben Menschen und das ein oder andere coole Kleidungsstück. Auf den Philippinen war ich auf wunderschönen, menschenleeren Stränden, in türkisblauem Wasser, hab viel Yoga gemacht und eine sehr tolle Zeit gehabt.
Und dann waren da noch die Semesterferien. Zwei Wochen in Indonesien, in denen ich die schönsten Orte mit meinen Augen gesehen habe. Ich bin drei Tage auf einen Vulkan gewandert, hab Surfunterricht genommen, hab ein paar Tage auf einem Boot gelebt, bin mit Haien, Schildkröten und Mantarochen getaucht, hab dabei unglaublich herzliche Menschen kennengelernt und hab die besten zwei Wochen meines Lebens erleben dürfen. Wenn ich daran denke, wie ich endlich am Mount Rinjani gestanden bin oder wie ich vom Boot zu den Mantarochen gesprungen bin, kann ich es wirklich noch immer nicht glauben. Und weil es mir Indonesien so angetan hat, bin ich zwei Wochen später gleich nochmal alleine nach Bali geflogen.
Und zwischen den Reisen nach Vietnam, Indonesien und auf die Philippinen, waren wir eigentlich fast jedes Wochenende irgendwo in Malaysia unterwegs. Wir haben Inseln erkundet, sind stundenlang Bus gefahren, haben neues Essen probiert, unendlich viele Sonnenuntergänge gesehen und ungefähr 100-mal Nasi Goreng gegessen.
Natürlich hab ich sehr viel erlebt und gesehen. Aber wenn ich jetzt im Nachhinein gefragt werde, wie es so war, dann weiß ich nicht was ich sagen soll. Die Zeit in Asien war so unbeschreiblich schön, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll zu erzählen. Ich kann erzählen, wo ich war und was ich gemacht hab. Ich kann von den Orten, den Reisen und den Erlebnissen erzählen – aber irgendwie wird keine dieser Geschichten dem gerecht, wie es dann eigentlich gewesen ist.
Was ich aber auf jeden Fall gelernt habe: Ich kann viel mehr alleine, als ich vorher gedacht habe. Am Anfang war allein schon die Vorstellung, fünf Monate auf einem anderen Kontinent zu leben, ziemlich groß. Irgendwann war es ganz normal, alleine einen Flug zu buchen, irgendwo einen Bus zu nehmen, in einem neuen Land anzukommen oder spontan einen Plan zu ändern. Ich hab gelernt, offener zu sein, nicht alles vorher durchzuplanen und mich auch einfach einmal auf etwas einzulassen.
Natürlich gab es auch Dinge, die ich vermisst habe. Meine Familie und Freunde sowieso, aber auch Kleinigkeiten aus dem Alltag. Österreichisches Essen, die Berge und manchmal einfach das Gefühl, genau zu wissen, wie alles funktioniert. Gleichzeitig hab ich gemerkt, wie schnell man sich auch an ein neues Zuhause gewöhnen kann.
Kuala Lumpur ist in diesen Monaten, auch wenn es sich kitschig anhört, wie eine Art zuhause für mich geworden. Ich hatte meine Lieblingsmamaks, meine Lieblingsmall, meine Lieblingsviertel, mein Lieblingsessen und auch sehr viel Freiheit, dort zu sein, wo ich gerade sein möchte. Wir haben neue Freundschafen geschlossen, neue Kulturen erlebt, unzählige Orte bereist und Dinge gemacht, die wir vorher so nie geplant hätten. Kuala Lumpur ist für uns irgendwann von einer komplett fremden, überwältigenden Stadt zu einem Ort geworden, den wir heute sehr vermissen.
Und vielleicht ist genau das auch das, was ich aus meinem Erasmus+ Aufenthalt für die Zukunft mitnehme: dass man manchmal einfach machen muss, auch wenn man vorher nicht weiß, wie es werden wird. Ich hätte vor fünf Monaten nicht gedacht, dass mir ein Ort auf der anderen Seite der Welt einmal so vertraut vorkommen könnte. Und ich hätte mir nie gedacht, dass ich mich nach fünf Monaten Asien zwar auf zu Hause freue, aber gleichzeitig schon wieder zurück möchte.
Also bin ich Ende Juli mit vielen Tränen in den Augen und schweren Herzens in ein Flugzeug Richtung Österreich gestiegen!