Story von Hannah Gaigg

 Profil anzeigen
Zielland Schweden
Kategorie
Berufsbildung
Soziale Netzwerke

Hannah Gaigg, am 03.10.2026 um 10:48

Vollzeit gearbeitet, vollzeit genossen

Drei Monate Pflichtpraktikum – drei Monate Schweden. Anfangs dachte ich: Hoffentlich wird alles gut. Ich ahnte nicht, wie sehr ich diese Zeit vermissen würde…

Aus den drei Monaten, die ich einfach nur „hinter mich bringen“ wollte, wurde eine Zeit, von der ich am liebsten noch viel mehr gehabt hätte. Heute bin ich beinahe süchtig danach, neue Orte zu sehen, andere Länder kennenzulernen und neue Menschen zu treffen. Ich möchte noch viel mehr von der Welt sehen und Erfahrungen sammeln, die ich niemals machen würde, wenn ich immer nur in meiner Komfortzone bleiben würde. Wenn ich heute die Möglichkeit hätte, mein Praktikum noch einmal zu machen, wäre ich die Erste, die „Ja“ sagen würde.


Mein Praktikum in Schweden war für mich eine unglaublich schöne und besondere Erfahrung. Ich habe mich von Anfang an sehr wohlgefühlt und bin AUSNAHMSLOS jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen. Es war für mich nicht einfach nur ein Praktikum, sondern eine Zeit, in der ich unglaublich viel gelernt und mich sowohl persönlich als auch fachlich weiterentwickelt habe. Durch Erasmus+ hatte ich die Möglichkeit, für mehrere Monate in einem anderen Land zu leben, zu arbeiten und eine völlig neue Kultur kennenzulernen. Ich bin unendlich dankbar, diese Chance bekommen zu haben. Freiwillig wäre ich niemals auf die Idee gekommen, so lange Zeit von daheim weg zu sein. Dank meiner Schullaufbahn musste ich eine solche Erfahrung machen, und mit Erasmus+ wurde es eine der schönsten Zeit in meinem Leben. 


Natürlich gab es auch einige Herausforderungen. Eine davon war die Sprache. Besonders bei Rezepten oder Anweisungen auf Schwedisch musste ich zunächst herausfinden, was genau gemeint war. Dafür musste ich einige Fachvokabeln lernen, um meine Arbeitskollegen zu verstehen. Auch die Kommunikation auf Englisch war anfangs nicht einfach. Mit der Zeit wurde ich jedoch immer sicherer und lernte, mich auch in ungewohnten, stressigen oder herausfordernden Situationen zurechtzufinden. Dadurch bin ich selbstständiger und selbstbewusster geworden. Besonders geholfen hat mir dabei, dass mir alle in der Villa von Anfang an viel zugetraut haben. Auch schwierigere Aufgaben durfte ich übernehmen, wobei ich gleichzeitig immer wusste, dass jemand hinter mir steht und mir hilft, wenn ich Unterstützung brauchte.


Besonders schön waren die vielen Menschen, die ich kennenlernen durfte. Genau das hat meine Zeit in Schweden für mich so wertvoll gemacht. Mit den anderen Praktikanten habe ich mich sehr gut verstanden und wir haben gemeinsam unglaublich viel erlebt und sehr viel gelacht. Aus Bekanntschaften sind echte Freundschaften entstanden, die ich bis heute pflege. Ich habe sowohl alleine als auch gemeinsam mit meinen Freunden viele Trips geplant und neue Städte und Orte erkundet. Dabei haben wir nicht nur viele verschiedene Städte und Orte in Schweden gesehen, sondern sogar zwei neue Länder bereist: Norwegen und Dänemark, zwei unglaubliche Erfahrungen, mit vielen neuen Eindrücken und unvergesslichen Momenten. Auch mit den Menschen aus meinem Arbeitsumfeld habe ich mich blendend verstanden und wir haben sogar außerhalb der Arbeit viele gemeinsame Ausflüge unternommen.


Durch die Planung dieser Ausflüge habe ich gelernt, selbstständiger zu organisieren und Verantwortung zu übernehmen. Wir mussten Unterkünfte und Anreisen planen, Verbindungen heraussuchen, Zeitpläne erstellen und überlegen, wie wir unsere Tage am besten nutzen können. Gerade wenn man in einem fremden Land unterwegs ist,möchte man so viel wie möglich sehen, wobei logischerweise auch viel passieren und schiefgehen kann – dadurch habe ich gelernt, flexibel zu bleiben und auch bei unerwarteten Situationen selbstständig Lösungen zu finden. Diese Erfahrungen haben mir nicht nur schöne Erinnerungen geschenkt, sondern mich auch im Alltag selbstständiger und organisierter gemacht. Und habe ich einmal eine Fehlentscheidung bei der Problemlösung getroffen, habe ich trotzdem davon profitiert: ich habe daraus gelernt und weiss, wie ich es beim nächsten mal besser machen muss.


Durch meine Erfahrungen im Ausland habe ich gelernt, wie wichtig Toleranz, Akzeptanz und Offenheit gegenüber anderen Menschen und Lebensweisen sind. Durch die vielen neuen Begegnungen konnte ich meine eigene Sichtweise auf viele verschiedene Themen überdenken und verändern. Ich habe gelernt, andere Meinungen besser zu verstehen und nicht sofort zu beurteilen, nur weil sie sich von meiner eigenen unterscheiden. Dadurch bin ich offener geworden und habe gelernt, dass es nicht nur eine einzige Perspektive gibt und dass man gerade durch andere Menschen unglaublich viel lernen kann.


Für mich ist Offenheit zu einer der wichtigsten Erkenntnisse dieser Zeit geworden. Wenn man bereit ist, auf andere Menschen zuzugehen und sich wirklich für sie und ihre Geschichten zu interessieren, entstehen Erlebnisse, die man niemals geplant hätte. Genau das durfte ich dank meines Erasmus-Aufenthalts erleben. Ich habe gemerkt, wie viel einem eine offene Haltung geben kann und wie sehr sie die eigene Sicht auf das Leben verändern kann.



Ich weiß, dass nicht allen der Trend mit dem „Travelbook“ etwas sagt, deshalb möchte ich kurz erklären, was dahintersteckt, weil ich selbst eines geführt habe. Die Idee ist es, fremde Menschen anzusprechen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, ihnen ein ehrliches Kompliment zu machen und auszusprechen, was einem Positives an dieser Person aufgefallen ist. Anfangs kostet es Überwindung, einfach auf jemanden zuzugehen. Aber genau dadurch habe ich unglaubliche Menschen kennengelernt, neue Freundschaften geschlossen und Geschichten gehört, die ich sonst wahrscheinlich niemals erfahren hätte. Und ich spreche dabei nicht von Smalltalk oder irgendwelchen belanglosen Geschichten. Ich durfte Lebensgeschichten, Ratschläge, Ziele, Wünsche und Erlebnisse hören, die mich wirklich berührt und auch verändert haben. Weil ich auf diese Menschen zugegangen bin, haben sie mir Dinge erzählt, die weit über ein kurzes Gespräch hinausgingen. Es hat mich fasziniert zu sehen, wie sehr Menschen aufblühen können, wenn ihnen jemand wirklich zuhört. Und genauso dankbar, wie sie dafür waren, ihre Geschichten erzählen zu dürfen, war ich dafür, sie hören zu dürfen. Und es hat mich verändert, jede einzelne Geschichte. Ich habe aus jeder Konversation herausgehört, was man mir sagen wollte. Ich schätze seither Dinge mehr wert, ich halte vieles nicht mehr für Selbstverständlich, ich bin dankbarer und fröhlicher, ich nehme alles viel mehr auf. Aus all diesen Begegnungen ist für mich eine ganz einfache, aber sehr wichtige Erkenntnis entstanden. Würde man mich fragen, was die eine Sache wäre, die all diese Gespräche zusammenfasst, und die mir im Gedächnis hängen geblieben ist, dann wäre es, dass wir alle nur 1 Leben haben, und dieses nutzen sollen.


Wir warten oft auf den richtigen Zeitpunkt, auf die nächste Gelegenheit oder darauf, dass etwas Besonderes passiert. Dabei sind es oft die kleinsten Entscheidungen, die einen Unterschied machen: eine Einladung anzunehmen, jemanden anzusprechen, einen Ausflug zu machen, etwas Neues auszuprobieren oder einfach einmal „Ja“ zu sagen, obwohl man unsicher ist. Ich habe gelernt, nicht ständig darüber nachzudenken, was vielleicht schiefgehen könnte, sondern vielmehr darüber, was ich verpassen würde, wenn ich es nicht versuche. Ich bereue lieber, eine schlechte Erfahrung gemacht zu haben, als später zu bereuen, eine Erfahrung überhaupt nicht gemacht zu haben.


Gerade in einer Zeit, in der so viel unseres Lebens auf unseren Handys stattfindet, ist mir das noch bewusster geworden. Insta, TikTok und Snapchat können unterhalten, aber sie können niemals die Erlebnisse ersetzen, die entstehen, wenn man tatsächlich hinausgeht und etwas erlebt. Denn irgendwann werden wir uns nicht daran erinnern, wie viele Stunden wir am Handy verbracht haben. Wir werden uns an die Menschen erinnern, die wir getroffen haben, an die Orte, die wir gesehen haben, an die Geschichten, die wir gehört haben, und an die Momente, die wir erlebt haben. Das habe ich durch all diese Gespräche und Erlebnisse gelernt, und ich bin dankbar dafür, wie mich mein Aufenthalt in Schweden zum Positiven verändert hat. 


Während dieser Zeit bin ich nicht nur beruflich gewachsen, sondern auch sozial und persönlich. Ich habe gelernt, offener auf Menschen zuzugehen, neue Situationen anzunehmen und meine Komfortzone zu verlassen. Gleichzeitig durfte ich unglaublich viele neue Erfahrungen sammeln und wunderschöne Erinnerungen schaffen. Genau dafür bin ich Erasmus+ besonders dankbar: Es hat mir nicht nur ermöglicht, in Schweden zu arbeiten, sondern mir einen Lebensabschnitt ermöglicht, in dem ich mich selbst, andere Menschen und die Welt besser kennenlernen konnte.


Die Verabschiedung von allen war mit Abstand der schwierigste Moment innerhalb der letzten drei Monate. Ich habe allen einen langen Brief geschrieben, in dem ich mich für alles bedankt habe, was sie für mich getan haben, und habe ihnen alles Gute für die Zukunft gewünscht. Einerseits habe ich meine Eltern, meine Geschwister und meine Freunde zu Hause schrecklich vermisst, anndererseits war es unglaublich schwer, nach so einer intensiven Zeit von Menschen Abschied zu nehmen, die mir in diesen drei Monaten so sehr ans Herz gewachsen sind. Gleichzeitig war es schön zu wissen, dass zu Hause eine Familie auf mich wartet. Dass der Abschied für alle so schwer war, bedeutet für mich auch etwas Schönes: es zeigt, wie sehr wir alle diese gemeinsame Zeit geschätzt haben und wie viel sie uns bedeutet hat. (Ich habe allen in der Villa versprochen, sie in 1 Jahr zu besuchen. Darauf freue ich mich schon sehr!)


Am Ende sehe ich diese Zeit nicht mehr einfach nur als ein Praktikum. Sie ist für mich zu einem unglaublich wichtigen Teil meines Lebens geworden. Ich bin von Herzen dankbar für alles, was ich erleben durfte, für die Menschen, die ich kennenlernen durfte, und dafür, wie sehr mich diese Erfahrung verändert hat. Ich nehme nicht nur berufliche Erfahrungen mit nach Hause, sondern Erinnerungen, Freundschaften, Geschichten und eine neue Sicht auf das Leben.






Fazit: Erasmus hat mir die Möglichkeit gegeben, für einige Monate in einem anderen Land zu leben. Aber was ich daraus mitnehme, geht weit über diese drei Monate hinaus. Ich habe gelernt, mutiger zu sein, offener auf Menschen zuzugehen und Chancen nicht einfach vorbeiziehen zu lassen. Und vor allem habe ich gelernt, mein Leben selbst zu gestalten und nicht einfach passiv darauf zu warten, was als Nächstes kommt. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Nordwestliche Westküste Schwedens, Region Skåne