Story von Heinrich S. Wurzian

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Heinrich S. Wurzian, am 11.10.2026 um 14:15

Mit (Polster-)Schwert und Erasmus+ Sport nach Osnabrück

Was haben Schwerter, moderne Trainingsmethoden und Frauenförderung gemeinsam? Bei meiner Erasmus+ Mobilität nach Osnabrück gab es spannende Antworten!

Nachdem ich im Sommer 2025 meine ersten Erasmus+ Erfahrungen in München sammeln durfte, ging es im Feber 2026 gemeinsam mit meinem Vereinskollegen Matthias Gorr zum SV Rasensport Osnabrück (RASPO), genauer gesagt zur Abteilung Historisches Fechten. Beide Mobilitäten fanden im Rahmen des Erasmus+ Sportprojekts „Enhancing Medieval Combat Training for Women through Cross-Border Exchange and Job Shadowing“ unseres Vereins, dem VgVK Wien – Verein für gerüsteten Vollkontaktkampf Wien, statt. Mit dem Projekt möchten wir insbesondere die Trainingsqualität verbessern und die Förderung von Frauen in unserem Sport nachhaltig stärken. Im Gepäck hatten wir jede Menge Fragen, unsere Erfahrungen aus dem Medieval Combat-Sport und natürlich die passende Trainingsausrüstung.


Zwei Sportarten, viele Gemeinsamkeiten

Medieval Combat und Historical European Martial Arts (HEMA) haben auf den ersten Blick einiges gemeinsam: In beiden Sportarten kommen Schwerter beziehungsweise entsprechenden Trainingssimulatoren im Training und Wettkampf zum Einsatz, beide orientieren sich am europäischen Mittelalter und beide begeistern Menschen, die sich auch gerne sportlich mit Geschichte auseinandersetzen.

Bei genauerem Hinsehen zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede. Während HEMA historische Fechttechniken rekonstruiert und sportlich interpretiert, versteht sich Medieval Combat als moderner Kampfsport mit historischer Inspiration. Für uns war es besonders spannend, die unterschiedlichen Trainingsmethoden, Sicherheitskonzepte und Zugänge zur Nachwuchsarbeit miteinander zu vergleichen.

Gemeinsam mit den Sportler:innen von RASPO und Bellator Noctis tauschten wir uns in Workshops und praktischen Trainingseinheiten über unsere jeweiligen Erfahrungen aus. Dabei durfte natürlich auch selbst zum (Polster-)Schwert gegriffen werden!


Warum bleiben Frauen im Kampfsport – und warum manchmal nicht?

Im Mittelpunkt unserer Reise stand allerdings eine Frage, die uns schon länger beschäftigt: Wie können wir Medieval Combat und verwandte Kampfsportarten für Frauen und weiblich gelesene Personen attraktiver machen?

Dabei geht es um weit mehr als die Frage, wie ein Training gestaltet wird. Wie werden neue Mitglieder aufgenommen? Welche Rolle spielt die Atmosphäre innerhalb einer Trainingsgruppe? Wie können Trainer Selbstvertrauen fördern, ohne jemanden zu überfordern? Und was können Vereine tun, damit aus einem ersten Probetraining eine langfristige Begeisterung für den Sport entsteht?

Besonders interessant fand ich, wie unterschiedlich die Teilnehmer:innen manche Herausforderungen wahrnahmen. Was für erfahrene Sportler:innen selbstverständlich erscheint, kann für Anfänger:innen durchaus eine Hürde darstellen. Genau deshalb ist es wichtig, zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und auch die eigenen Gewohnheiten gelegentlich zu hinterfragen.

Für mich als Trainer und Vereinsfunktionär waren das wertvolle Denkanstöße. Nicht jede gute Idee erfordert zusätzliche finanzielle Mittel oder eine völlig neue Trainingsstruktur. Manchmal machen bereits eine bewusstere Kommunikation, ein klarer Einstieg ins Training oder eine offene Feedbackkultur einen großen Unterschied.


Erasmus+ bedeutet auch, voneinander zu lernen

Was mir an diesem Wochenende besonders gut gefallen hat, war der unkomplizierte Austausch auf Augenhöhe. Trotz unterschiedlicher sportlicher Hintergründe hatten wir viele gemeinsame Herausforderungen und Ziele. Ob HEMA oder Medieval Combat: Am Ende möchten wir Menschen für unseren Sport begeistern und ihnen ein sicheres, motivierendes Trainingsumfeld bieten.

Ein schöner Nebeneffekt war, dass wir unseren Gastgeber:innen auch Erasmus+ Sport näherbringen konnten. Für einige war es die erste Gelegenheit, sich intensiver mit den Fördermöglichkeiten für kleinere Sportvereine auseinanderzusetzen. So konnten nicht nur wir neue Erfahrungen mit nach Österreich nehmen, sondern hoffentlich auch ein wenig Inspiration in Osnabrück zurücklassen.

Die Erkenntnisse aus diesem Wochenende fließen nun in unsere Trainingsarbeit beim VgVK Wien ein. Gerade bei der Gestaltung von Einstiegsmöglichkeiten, der Förderung von Sportlerinnen und der Weiterentwicklung unserer Trainingskultur haben wir zahlreiche Anregungen mitgenommen.


Mein persönliches Fazit

Als ich 2025 mein erstes Erasmus+ Projekt gestartet habe, wollte ich vor allem internationale Erfahrungen sammeln und neue Möglichkeiten für unseren noch jungen Sport erschließen. Mittlerweile merke ich, dass Erasmus+ weit mehr bewirkt: Es bringt Menschen zusammen, die ähnliche Ziele verfolgen, aber manchmal ganz unterschiedliche Wege dorthin kennen.

Aus drei Tagen in Osnabrück nehme ich deshalb nicht nur neue Trainingsideen mit, sondern auch interessante Bekanntschaften, neue Perspektiven und die Motivation, unsere Vereinsarbeit weiterzuentwickeln.

Und ganz nebenbei zeigt sich wieder einmal: Manchmal muss man mit einem (Polster-)Schwert im Gepäck quer durch Europa reisen, um neue Blickwinkel auf den eigenen Sport zu entdecken.

Gemeinsam lernen und trainieren: Erasmus+ Austausch zu Frauenförderung, Medieval Combat und HEMA in Osnabrück. Fotos: VgVK Wien