Story von Katharina Schatzberger

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Zielland Italien
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Hochschulbildung
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Katharina Schatzberger, am 01.09.2026 um 11:34

Das Dolce Vita und ich

Zwischen Frühstückscappuccino und italienischem Chaos - ein Erasmusbericht

„Il dolce far niente“ – die Süße des Nichtstuns.

Wenn der Professor bereits eine Stunde in Verspätung ist, der Ticketschalter aufgrund einer spontanen Kaffeepause unbesetzt bleibt und freitags ein sciopero (=Öffi-Streik) die ganze Stadt lahmlegt, weiß man irgendwann: Das Klischee vom italienischen Chaos, kommt nicht von ganz ungefähr. Sagt dir ein italienischer Freund „Arrivo!“ („Komm gleich!“) hat er wahrscheinlich gerade erst das Haus verlassen.

Dennoch ist es nicht das Chaos, was mir von meinen Auslandssemester in Erinnerung geblieben ist - sondern das herzhafte Gestikulieren, die lebendige auf Kaffee & Aperitivo fußende Kultur und vor allem die Leichtigkeit mit der das Leben bestritten wird:

Mit Erasmus aus der Kleinstadt raus in die Welt

Mein Erasmus-Semester katapultierte mich aus meiner überschaubaren Heimatstadt Graz direkt in das pulsierende Herz der Weltdesign-Hauptstadt Milano. Olympische Spiele, Chinatown, Weltkulturerbe – Mailand ist gigantisch, international und steht niemals still. Man merkt erst, wie klein die eigene bisherige Welt war, wenn man plötzlich nicht mehr mit 17, sondern mit 300 Kommiliton:innen in einem Hörsaal sitzt. Oder wenn man nach sechs Monaten Erasmus noch immer nicht jeden Palazzo gesehen und längst nicht jede Gelato-Sorte probiert hat.

Als giramondo (=Weltenbummler) endete das Erasmus-Abenteuer für mich natürlich auch nicht an der Stadtgrenze. Die umliegenden Städte lassen sich günstig und unkompliziert erkunden – was ich ausnutzen musste. Mein Geheimtipp: Das Wochenend-Zugticket von Trenitalia für Unter-26-Jährige für rund 30 Euro. Damit kann man ein ganzes Wochenende lang so viel Zug fahren, wie man möchte. Und plötzlich wird aus einem Erasmus-Semester ein kleines Abenteuer quer durch Nord- und Mittelitalien. Egal ob das Ferrari-Museum in Modena, die Bergkulisse von Turin, der romantische Como-See oder das rote Bologna: Alles liegt nur etwa eine Stunde von Mailand entfernt. Mit den Schnellzügen erreicht man innerhalb von vier Stunden sogar Neapel, wo ich durch die berühmten Ruinen von Pompeji geschlendert und in einem geschützten Riff getaucht bin.

Genau diese Mischung hat mein Erasmus für mich so besonders gemacht: Milano als Zuhause – und Italien als zu entdeckendes Abenteuer direkt vor der Haustür.

Aber wie lebt und studiert sich eigentlich der Alltag in Milano?

Die kurze Antwort: teuer. Sehr teuer.

Milano ist als internationaler Hotspot, besonders was die Miete betrifft nicht unbedingt studentenfreundlich. Besonders erstaunt hat mich anfangs das Phänomen der camera doppia – in Milano ist es nicht unüblich, anstatt Zimmer einzeln zu vemieten, diese gleich als geteiltes Zimmer zu vermarkten. So ein Bett in einem geteilten camera doppia kostet monatlich etwa so viel wie ein Einzel-WG-Zimmer in Graz. Kein Wunder also, dass Mailänder Student:innen zu wahren Meister:innen im Schnäppchenjagen werden. Im Viertel Navigli – wegen seiner Kanäle auch liebevoll „kleines Venedig“ genannt – stöbert man über riesige Flohmärkte. Dazu sind alle Museen am ersten Sonntag des Monats kostenlos, und für unter 26-Jährige kostet der Eintritt meist ohnehin nur 2 Euro.

Zwischen Aperitivo-Abenden und dem vielleicht wichtigsten studentischen Luxus – dem Frühstückscappuccino für 1,2€ - darf das Studium selbst natürlich auch nicht zu kurz kommen. Das Politecnico di Milano überzeugt dabei vor allem mit modernen und zukunftsweisenden Lehrveranstaltungen – von Design & KI bis hin zu Robotik. Besonders begeistert haben mich die praxisnahen Gastvorträge und der interdisziplinäre Ansatz: Studierende aus völlig unterschiedlichen Fachbereichen entwickeln gemeinsam Projekte – ich durfte zum Beispiel ein eigenes Microcar entwerfen! Wer einen Ausgleich sucht, nutzt die supergünstigen Sportkurse direkt am Campus, von Yoga bis Heel Dance ist alles dabei.

Mein Fazit: Poco a poco si va lontano (Schritt für Schritt kommt man weit)

Auch wenn es im ersten Moment so wirkt ist Erasmus nicht nur Dolce Vita, Aperitivo und Wochenendtrips – es ist manchmal ein ziemlich zäher Kampf durch Bürokratie und Bewerbungsprozesse. Besonders an eine Universität zu gehen, wo Italienisch auch Unterrichtsprache ist, hat mir dabei auch besonders Angst gemacht. Doch mit der Zeit verschwand die Angst: alles mehr schlecht als recht auf Italienisch erklärt? Und wenn schon! Die Prüfungen habe ich trotzdem gemeistert. Im Leben geht es nicht immer darum unantastbar zu sein und alles richtig zu machen, man muss Mut beweisen und Dinge tun vor denen man sich fürchtet, um am Ende die spannenden Geschichten erzählen zu können.

Also: Traut euch. Geht hinaus in die Welt und findet eure eigenen Abenteuer!

Abschlusspräsentation zur Projektarbeit "Microcar" am Politecnico Milano