Tagebuch von Laura Haipl

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Ausbildungsland Italien
Geburtsdatum unbekannt
Ausbildung
Studierende/r
Soziale Netzwerke & Rss

Laura Haipl, am 11.10.2019 um 01:26

Peri-Realisieren

Italienerin und doch Kulturschock in Italien?

Und so bin ich also in Florenz angekommen, gefühlt von einer Stunde auf die nächste und stand mit den Schlüsseln in der Hand vor dem Haus (für fun fact siehe Bild), in welchem sich meine Wohnung befinden sollte. Allerdings etwas unwissend wo welcher Schlüssel nun hingehöre und wo mein Zimmer sich befinde. So befand ich mich auf einmal also in einem Zimmer – vollgeräumt, aber aufgeräumt, klein, aber nicht zu klein und dunkel, aber nicht stockdunkel. Und dies sollte nun also mein Zimmer sein?

Ja, liebe Laura, das ist dein Zimmer für die nächsten sechs Monate. Ist doch alles drinnen was man braucht - Kleiderschrank, Bett, Schreibtisch, sogar eine Couch und Überbleibsel des Vermieters. Ja absolut, das Zimmer beinhaltet alles und sogar mehr als man benötigt, aber ist das wirklich mein Zimmer, werde ich hier tatsächlich die nächsten sechs Monate leben und habe ich mir wirklich dieses Zimmer per Video-Anruf ausgesucht?

Der Realisierungsprozess dieser Art war voll im Gange, wurde aber vom Tatendrang, die ganzen Sachen aus dem Auto zu räumen und Ordnung zu schaffen, zur Seite geschoben. Jedoch spätestens als mein Papa, der gemeinsam mit mir den neuen Ordner „Erasmus“ initiierte, und ich in einer Bar/Bistrot nebenan mittagaßen und nach wenigen Augenblicken schon Bekanntschaft mit der halben Nachbarschaft gemacht hatten, ging der Realisierungsprozess weiter. Café hier, ciao dort, Vespa da und mercato da drüben. Ich fühlte einen leichten Kulturschock. Hier könnte man mich fragen „Wie? Du als Italienerin? Du und italienischer Kulturschock?“ Ja, ich als Südtiroler Italienerin verspürte einen leichten Kulturschock über das Italienischen Treiben, Leben, Verhalten und Sein, das sich während dem Mittagessen an der piazzetta wunderbar zeigte und ereignete.  

Es ist bei weitem nicht mein zehntes, oder auch nicht mein zwanzigstes Mal in einem italienischen Ort mit dementsprechendem Flair. Nein ich kenne das alles sehr wohl. Aber in den letzten hunderten male kannte ich es oberflächlich, aus der Perspektive eines teilnehmenden Beobachters aka Tourist, dem die italienische Sprache vertraut war. Die italienische Kultur, das italienische Leben ging mir nie unter die Haut, denn ich habe stest objektiv beobachtet. 

Doch dieses Mal war es anders, ich realisierte langsam, dass ich nicht (mehr) ein teilnehmender Beobachter war, sondern vielleicht eher ein beobachtender Teilnehmer, der am italienischen Leben, Treiben, Sein und ganz allgemein gesprochen an der Kultur teilhaben wird. Die Zeit Italien als Tourist zu erleben ist nun also vorbei, stattdessen ist die Zeit Italien zu leben angebrochen. Die Zeit mit dem Wiener Grant und der Sachertorte ist pausiert, dafür die Zeit mit dem 0,90 € Espresso und dem „alles-nicht-zu-ernst-nehmen“ live am Start. Und vor allem ist es an der Zeit im hier und jetzt zu leben und genießen..

Laura Appol (ITA) oder Laura Haipl (AUT)?