Story von Lisa Sieberer

 Profil anzeigen
Zielland Südafrika
Kategorie
Hochschulbildung
Soziale Netzwerke

Lisa Sieberer, am 17.10.2026 um 07:33

40 Kinder, unzählige Erinnerungen – mein Erasmus+ Abenteuer

Vier Wochen, 40 Kinder und unzählige besondere Momente. Mein Auslandspraktikum in Südafrika hat mir gezeigt, wie viel man voneinander lernen kann.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die am meisten bedeuten.


Als ich mich für mein Erasmus+ Auslandspraktikum in Südafrika entschieden habe, wusste ich noch nicht, wie sehr mich diese vier Wochen prägen würden. Ich wollte neue Erfahrungen sammeln, eine andere Schulkultur kennenlernen und herausfinden, wie Unterricht in einem anderen Teil der Welt funktioniert. Was ich mit nach Hause genommen habe, war aber noch viel mehr.


Vier Wochen lang durfte ich an der ITHUBA Wild Coast Community College in Glenmore eine erste Klasse begleiten. 40 Kinder, ein Klassenzimmer, wenig Unterrichtsmaterial und trotzdem unglaublich viel Lebensfreude. Schon am ersten Tag wurde mir bewusst, wie unterschiedlich die Voraussetzungen sein können, unter denen Kinder lernen.


Was für uns in Österreich oft selbstverständlich ist, ist es dort nicht immer. Buntstifte, Scheren oder ausreichend Platz im Klassenzimmer gehören nicht automatisch zum Schulalltag. Trotzdem wurde jeden Tag gelernt, gesungen, gelacht und gemeinsam Neues entdeckt.


Natürlich gab es auch Herausforderungen. 40 Kinder gleichzeitig zu unterrichten, noch dazu auf Englisch, war anfangs ungewohnt. Doch mit jedem Tag wurde ich sicherer. Ich lernte, mit einfachen Mitteln kreativ zu werden, spontan auf Situationen zu reagieren und vor allem die Kinder und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen.


Ein Moment wird mir besonders in Erinnerung bleiben.


Zum Abschied hatte ich für jedes Kind ein eigenes Federmäppchen besorgt. Eigentlich nur eine kleine Aufmerksamkeit, um mich für die gemeinsame Zeit zu bedanken. Doch als ich die Federmäppchen verteilte, war die Freude riesengroß. Manche Kinder strahlten über das ganze Gesicht, andere waren so gerührt, dass sogar Tränen flossen. Auch ich musste in diesem Moment mit den Tränen kämpfen.


Da wurde mir noch einmal bewusst, dass Dinge, die für uns ganz alltäglich sind, für andere etwas ganz Besonderes bedeuten können.


Aber nicht nur die Kinder haben in diesen vier Wochen etwas von mir gelernt. Vor allem habe ich selbst unglaublich viel mitgenommen. Ich habe gelernt, geduldiger zu sein, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und das wertzuschätzen, was für mich zu Hause selbstverständlich ist.


Auch außerhalb der Schule durfte ich ein wunderschönes Land, beeindruckende Landschaften und herzliche Menschen kennenlernen. Südafrika hat mir gezeigt, wie bereichernd es ist, die eigene gewohnte Umgebung zu verlassen und sich auf etwas völlig Neues einzulassen.


Heute weiß ich, dass dieses Praktikum nicht nur eine wertvolle Erfahrung für mein Lehramtsstudium war, sondern auch für mich persönlich.


Ich bin nach Südafrika gereist, um Kindern etwas beizubringen. Zurückgekommen bin ich mit dem Gefühl, selbst mindestens genauso viel gelernt zu haben.


Für diese Erfahrung bin ich unglaublich dankbar. Enkosi – danke!