Story von Michaela und Gerti

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Zielland Irland
Kategorie
Erwachsenenbildung
Soziale Netzwerke

Michaela und Gerti, am 04.08.2026 um 07:57

Céad míle fáilte – Hunderttausend Willkommen

Damit ist die tiefe Gastfreundschaft & Herzlichkeit der Iren ausgedrückt & wir haben sie auch genau so erlebt. Bericht unserer Mobilitätsförderung in Irland

Wir, Gerti und Michaela, Bibliothekarinnen der Stadtbücherei Jennersdorf, haben uns für das Erasmus+ Projekt der EU, betreut durch den BVÖ (Büchereiverband Österreich), be-worben und Irland als Zielland gewählt.

Im Vorfeld suchten wir uns eine Bücherei in Dublin, die uns für die Dauer des Aufenthalts als Betreuungsbücherei und Anlaufstelle zur Verfügung stand. Das Bewerbungsverfah-ren war unserer Meinung nach einfach und unbürokratisch. Bei Fragen stand uns Frau Popovici vom BVÖ mit Rat und Tat zur Seite. Ein Vertrag zwischen Büchereileitung, Träger und der Bibliothek im Gastland wurde abgeschlossen.

Nachdem wir Flug und Unterkunft gebucht hatten, stand unserer Reise im Juli dieses Jahres nichts mehr im Weg. Unser erster Besuch in Dublin führte uns in die Kevin Street Library, wo uns unser Gastgeber Paul Flaherty erwartete. Schon der erste Eindruck der Bibliothek überwältigte uns. Wir waren überrascht von der Größe und der Ausstattung der Räumlichkeiten:

• Ein Raum nur für Studierplätze; Laptops können kostenfrei ausgeborgt werden.

• Ein Leseraum mit Kamin und gemütlichen Sesseln.

• Den größten Platz nahm der Kinderbereich ein. Neben dem reichhaltigen Bücher-angebot gab es einen großzügigen Spielebereich, sogar mit Rutsche.

• Eine Kopier- und eine Selbstausleihe-Station.

• Im Foyer befand sich ein großer Bereich mit zusätzlichen Arbeitsplätzen, da diese vor allem von Schülern und Studierenden genutzt werden.

• Lift und Rampe für Personen mit besonderen Bedürfnissen.

• C-Pen: Dabei handelt es sich um einen Stift, der gedruckten Text Zeile für Zeile vor-liest. Er ist besonders geeignet für Personen mit Legasthenie. 

• Energy Saving Kit: Das ist eine praktische Sammlung von Messgeräten und Werk-zeugen um den Energieverbrauch im Haushalt selbständig zu überprüfen. Dieses handliche Köfferchen enthält eine Wärmebildkamera, ein Strommessgerät, ein Kühlschrankthermometer, einen Heizkörperentlüftungsschlüssel und Broschüren über die Verwendung und Beschreibung der einzelnen Bestandteile.

• Sensory Toys: Hilfsmittel, oft Spielmittel für Kinder, die einen oder mehrere Sinne anregen oder beruhigen sollen.

• Sensory Cubicle: Das ist eine Kabine als Rückzugsort für Menschen, die unter Reizüberflutung leiden und ist besonders bei Autismus hilfreich.

• ToverTafel: Speziell für Menschen mit Demenz und geistigen Behinderungen ent-wickelt. Ein Projektor wirft Animationen oder Spiele auf Tisch oder Boden, die auf Hand- und Armbewegungen des Nutzers reagieren. 


Paul nahm sich viel Zeit für unsere Fragen und klärte uns über das irische und speziell Dubliner Büchereisystem auf:

 Der Verleih ist für jeden Iren gratis, es werden keinerlei Mahngebühren verrechnet. Dieses System hat sich in seiner Effektivität bewährt. Lediglich Kopiergebühren sind zu zahlen. 

 Die Stadt Dublin fördert das Büchereiwesen enorm großzügig, am Land werden die BibliothekarInnen ebenfalls unterstützt, aber nicht in diesem Ausmaß.

 Fernleihe von Büchern und anderen Medien ist landesweit durch eine Pressezu-stellfirma auf besonders effektive Weise möglich.

 Alle Mitarbeiter sind fest angestellt. Es gibt im Gegensatz zu Österreich kein Eh-renamt. 


Das Dublin City Council erachtet Lesen und das Büchereiwesen als ungemein wichtig, deshalb wurde das Programm „Library in the Community“ ins Leben gerufen. Dieses Projekt bringt Menschen in benachteiligten Lebensumständen, wie zum Beispiel Gefan-genen, Flüchtlingen, Obdachlosen und sozial benachteiligten Familien, niederschwelli-gen Zugang zu Büchern, Beratung und Bildung.

Paul stellte uns Chris Nuggent vor, der für dieses Projekt tätig ist. Wir trafen ihn am Samstagnachmittag, wo er mit seinem Team an einem facettenreichen Event für Fami-lien im Einsatz war.

Für zusätzliche Einblicke in das irische Büchereiwesen besuchten wir folgende Bibliothe-ken: Central Ilac Library, Cabra Library, Howth Library, Charleville Mall Library, Dún Lao-ghaire LexIcon Library, Phibsboro Library, National Library, Marsh´s Library, Trinity Col-lege Library mit dem Book of Kells und Galway City Library.

Erstaunt über die große Dichte an Büchereien in Dublin, fasziniert von deren Angeboten, Vielfalt und den zahlreichen Veranstaltungen, saugten wir das Neuerfahrene auf. Von allen MitarbeiterInnen wurden wir aufs Herzlichste empfangen. Sie erzählten bereitwillig über ihre Arbeit, ihre Erfahrungen und führten uns durch die Räumlichkeiten. 

Eine außerordentlich reizvolle Bücherei ist die Cabra Library. In diesem Gebäude erfolgt die Bestellung der Medien für alle Büchereien zentral. Ebendort werden sie registriert und danach an die Zweigstellen distribuiert.

Ebenfalls erwähnen möchten wir die Central Ilac Library, die sich in einem Einkaufszent-rum befindet. Sie ist für MusikerInnen und Musikinteressierte äußerst attraktiv. Dort gibt es ein Tonstudio, diverse Instrumente, Turntables, eine Vinylauswahl und eine immense Anzahl an CDs. Darüber hinaus findet man dort drei geräuschdämpfende Kabinen, die unter anderem für Vorstellungsgespräche verwendet werden.

Architektonisch gesehen ist die Bücherei in Dún Laoghaire beachtenswert. Sie liegt di-rekt am Hafen und ähnelt einem riesigen Schiff. Die LexIcon Library erstreckt sich über 5 Stockwerke und beherbergt viel Platz zusätzlich für Ausstellungen und Veranstaltungen. Für Mitglieder gibt es die Möglichkeit einen kostenlosen Druck am 3-D-Drucker zu gene-rieren.

Es war uns aber auch ein Anliegen, neben Dublin andere Regionen des Landes und de-ren BewohnerInnen kennenzulernen. Unsere Ausflüge führten uns nach Kilkenny, in die Wicklow Mountains nach Glendalough, zu den Cliffs of Moher und nach Galway.

Essen und Trinken sind wesentliche Bestandteile einer Kultur. Wir genossen die landes-typischen Speisen und Getränke und die mannigfaltigen musikalischen Darbietungen in den Pubs. Dabei kamen wir oft mit Einheimischen ins Gespräch. 

Die Partizipation am ERASMUS+ Programm und unser Aufenthalt in Irland waren sehr gewinnbringend, sowohl für die Bücherei, als auch für uns persönlich. Neue Kulturen, Begegnungen mit anderen Personen und deren Sicht- und Denkweisen haben uns be-rührt. Wir wurden in diesem wunderbaren Land reich beschenkt. 

Jedem/r BibliothekarIn empfehlen wir die Teilnahme an diesem EU-geförderten Projekt wärmstens. Wer an den Arbeitsweisen anderer Büchereien, fremden Ländern, deren Be-wohnern und Tischkultur interessiert ist, möge sich an diesem exzellenten Programm unbedingt beteiligen.


Slán go fóill! Bis bald!

Gertrude Wagner-Brunner und

Michaela Bacher

10.-19. Juli 2026 - Irland 

Wir lieben den markanten Stiegenaufgang zur Central Library!