Story von Raffael Winkler

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Zielland Finnland
Kategorie
Hochschulbildung
Soziale Netzwerke

Raffael Winkler, am 19.06.2026 um 12:17

Erasmus-BIP in Oulu: 5 Tage für frische Startup-Impulse

Mitternachtssonne & Volunteer-Arbeit: Wie ein fünftägiger Erasmus-BIP-Austausch in Finnland prägende Inspirationen für mein Startup Symbiotic Guides lieferte.

Ein Auslandsaufenthalt ist immer eine Reise ins Unbekannte, auch wenn es, wie in meinem Fall, „nur“ ein fünftägiger Erasmus-Kurzaustausch (Blended Intensive Programme, kurz BIP) im nordfinnischen Oulu war. Als Student im Bachelor-Studiengang „Startup Management“ am IMC Krems und Gründer des Startups Symbiotic Guides wollte ich diese kurze, aber intensive Zeit vor Ort maximal nutzen, um die finnische Kultur zu verstehen, zu netzwerken und echte Impulse für mein eigenes Unternehmen mit nach Hause zu nehmen.

Meine Kurswahl an der Oamk (Oulu University of Applied Sciences) zum Thema „Multicultural Communication Skills in Voluntary Work“ passte perfekt zu unserer Unternehmensphilosophie. Bei Symbiotic Guides verbinden wir urbane Outdoor-Bewegung mit psychosozialer Gesundheit und Gemeinschaft. Genau diesen Aspekt wollte ich in Finnland, einem Vorreiter in Sachen sozialer Systeme, aus erster Hand erleben.

Obwohl ich nur wenige Tage vor Ort war, war der Kontrast zu Wien ab der ersten Minute spürbar. Die fast 18 Stunden Tageslicht und die nicht enden wollende Abenddämmerung um ein Uhr nachts waren faszinierend. Die Stadt strahlte eine beneidenswerte Ruhe aus. Besonders beeindruckend war die Infrastruktur: Statt riesiger Parkplätze dominierten breite Rad- und Fußwege das Stadtbild. Eine echte Bestätigung für unsere „Green Mobility“-Philosophie bei Symbiotic Guides, wo wir in Wien unser Outdoor-Equipment komplett emissionsfrei mit dem Grätzlrad zu den Workshops transportieren.

Der vielleicht wertvollste Teil meines Austauschs passierte außerhalb des Hörsaals während meiner Freiwilligenarbeit. Ich verbrachte einen Nachmittag im „Hyvän mielen talo ry“ (Haus des guten Geistes), einer NGO für mentale Gesundheit. Beim gemeinsamen Bingo-Spielen lernte ich nicht nur spielerisch finnische Zahlen, sondern erlebte vor allem, wie niedrigschwellig und gemeinschaftsorientiert die Finnen das Thema Mental Health angehen. Das gab mir extrem viel Motivation für unsere eigene Projektarbeit in Österreich. Ein weiteres Highlight war mein Volunteer-Einsatz in der „Kesän Sauna“, einer von Freiwilligen geführten öffentlichen Sauna, der ultimative Ort finnischer Entschleunigung und sozialer Verbindung.

Selbst in fünf Tagen durfte das Abenteuer nicht fehlen! Zusammen mit einer anderen Austauschstudentin erkundete ich die verlassene Insel Varjakka. Wir nutzten eine manuell betriebene Seilfähre, gingen zwischen alten Hausruinen auf Geocaching-Tour und kletterten auf eine alte Feuerwache. Dass mir dieser Ausflug fünf Zeckenbisse und einen nächtlichen Besuch im örtlichen Krankenhaus bescherte, buche ich heute augenzwinkernd unter „authentisches Outdoor-Erlebnis“ ab!

Akademisch half mir das Programm, meine eigene Kultur kritisch zu reflektieren, etwa bei meiner Präsentation über den Wiener Walzer, bei der mir bewusst wurde, wie tief Hierarchien und Machtdistanz in unseren eigenen Traditionen verankert sind.

Mein Fazit? Finnland hat mir in kürzester Zeit gezeigt, wie eine Gesellschaft funktioniert, die Nachhaltigkeit, Ruhe und den Wert von Natur in ihren Alltag integriert. Ein Erasmus-BIP mag physisch nur wenige Tage dauern, aber der Perspektivenwechsel und die unternehmerischen Inspirationen bleiben. Ich kann nur jedem raten: Nutzt auch diese kurzen Mobilitäten, geht raus und sammelt eure eigene Story!

Earsmus Exchange Students in Pilpasuon