Tagebuch von Romana Zeitlhofer

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Ausbildungsland Finnland
Geburtsdatum 26.12.2002
Ausbildung
Schüler/in
Soziale Netzwerke & Rss

Romana Zeitlhofer, am 06.11.2020 um 22:50

Tallinn - eine zauberhafte Stadt

Der Charme einer außergewöhnlich gut erhaltenen und mittelalterlichen Altstadt.

Tallinn und Heimflug

Nach einer stressigen Anfahrt in den Hafen mit zwei großen Koffern brachte mich die Fähre von Helsinki nach Tallinn. Dort bezog ich Quartier und ging essen. In der Dämmerung machte ich bereits eine erste Erkundungstour und am Abend plante ich mein Sightseeing Programm für die nächsten Tage.

Da auch in Tallinn im Oktober die Tage kürzer sind, begann mein Programm immer relativ früh am Vormittag. Mein erster Weg führte mich durch die Altstadt und ich landete schließlich auf dem zentralen Rathausplatz. Die Altstadt, das Rathaus und die alten Gebäude des Platzes haben ihren ganz besonderen Charme. Auch der Eingang zu einer der ältesten Apotheken Europas befindet sich dort. Versteckt in einer Gasse fand ich ein entzückendes Café mit selbst gemachten Schokoladenspezialitäten. Wie schon vermutet, kam ich auch um einen Kaffee samt Küchlein nicht herum. Die Great-Guild-Hall bzw. das Historische Museum waren gleich in der Nähe, also machte ich dorthin einen kurzen Abstecher.

Vor zwei Jahren bei der U18-Europameisterschaft in Györ (Ungarn) durfte ich eine Leichtathletin namens Pippi Lotta aus Estland kennen lernen. Da ich alleine unterwegs war, kontaktierte ich sie, ob sie mir eventuell Aktivitäten in Tallinn vorschlagen könnte. Glücklicherweise besucht sie eine Sportschule in Tallinn und wir vereinbarten uns zu treffen. Bei einem Abendessen plauderten wir über unser Kennenlernen bei der EM, unsere Ausbildungen und über unsere Zukunftspläne. Sie zeigte mir anschließend bei einem Spaziergang Tallinn bei Nacht.

Am dritten Tag besuchte ich den längsten noch erhaltenen Teil der Stadtmauer und den dazugehörigen Turm, den Hellemann Tower. Zu Fuß erkundete ich die Altstadt mit ihren historischen Sehenswürdigkeiten und Gebäuden und stieß am Stadteingang auf einen wirklich prächtigen und farbenfrohen Blumenmarkt. Der russische Einfluss ist in Tallinn nach wie vor sehr präsent. Aufgefallen sind mir die Pelzmäntel oder Hüte, die Sprache natürlich und vor allem aber die vielen richtig großen und teuren Autos.

Für den Abend hatten Pippi Lotta und ich einen Kinobesuch vereinbart. Wie in Finnland gibt es auch in Estland Filme nur auf Englisch mit der jeweiligen Landessprache als Untertitel.

Mit der Straßenbahn ging es am vierten Tag Richtung Stadtrand und Schloss Kadriorg. Ich schlenderte durch die Parks mit wunderschönen Grün- und Blumenanlagen. Die Sonne schien und es bot sich mir ein Farbenspiel der herbstlich gefärbten Blätter. Natürlich besichtigte ich auch das kleine Schloss mit der angeschlossenen Kunstgalerie. Eine Allee führte mich danach zu einer Statue und ans Meer. Es war sehr windig und dementsprechend kalt. In Helsinki lagen die Temperaturen zwischen 5 bis 11 Grad, in Tallinn jedoch nur mehr bei 2 bis 7 Grad. Somit fror ich mächtig beim Sammeln von Muscheln.

Auf meinem Weg zu einem 3oo Meter hohen Fernsehturm ging meine Busfahrt an einem Friedhof vorbei. Dieser und wahrscheinlich auch andere oder die meisten Friedhöfe in Estland sind angelegt wie Parks. Parks mit Rasen und Bäumen und dazwischen Gräber ohne Blumen und nur mit Steintafeln. Am Turm angelangt genoss ich den Ausblick von 174 Meter Höhe auf das Meer und Landesinnere. Zufällig traf ich dort zwei österreichische Studenten, mit denen ich kurz plauderte. Zurück in der Stadt ließ ich meinen Abend bei einem Orgelkonzert in einer berühmten Kirche ausklingen.

Den fünften und letzten Tag startete ich im Seaplane-Harbour (Wasserflugzeughafen) mit einem Museumsbesuch. Bevor ich ins nächste Museum (das KGB Museum) marschierte, brauchte ich natürlich zur Stärkung einen Kaffee mit passender süßer Begleiterscheinung. Nach dem Kulturteil spazierte ich noch einmal durch die bezaubernden Gassen von Tallins Altstadt auf eine Aussichtsplattform. Hier sog ich wortwörtlich ein letztes Mal den Anblick der alten Gebäude und deren Flair ein. Als Abschluss gönnte ich mir ein Abendessen und feierte das Ende meines Städtetrips. Obwohl der Urlaub nicht so verlief, wie ursprünglich geplant, erlebte ich trotzdem eine schöne Zeit und konnte einmalige Erfahrungen in Helsinki und Tallinn sammeln.

Am Abreisetag packte ich meine sieben Sachen und begab mich zum Flughafen. Bevor ich das kleine Flughafengebäude betrat, verabschiedete sich Tallinn mit Schneeflocken von mir. Auch Pippi Lotta kam nach ihrem Training extra zum Flughafen, um auf Wiedersehen zu sagen. Wir quatschten noch sehr lange, bis ich beinahe mein Boarding verpasste und versprachen uns, die kommenden Sommer zu nutzen, um uns gegenseitig zu besuchen.

Nach einem kurzen Flug von Tallinn nach Helsinki bestieg ich nun endgültig das Flugzeug, das mich nach Hause bringen sollte. Meine Zeit im hohen Norden wurde mit einem Sonnenuntergang über den Wolken gekrönt.

In Wien wurde ich abgeholt und auf der Fahrt nach Hause, zu meinem schwer vermissten Vierkanter im Mühlviertel, redete ich wie ein Wasserfall ohne Punkt und Komma. Es tat sehr gut, wieder Deutsch oder besser gesagt im Dialekt reden zu können und vor allem verstanden zu werden. Die größte Überraschung war jedoch die Welcome-back-Überraschungsfeier, die meine Familie und engsten Freundinnen und Freunde organisiert hatten. Mit einem riesengroßen selbst gestalteten und bemalten Transparent wurde ich willkommen geheißen. Mit Freudentränen in den Augen begrüßte ich alle, es wurde gefeiert und ich erzählte von meinen Erfahrungen während des Praktikums und meiner Zeit im hohen Norden.

Obwohl ich zu Beginn meines Praktikums nicht glücklich darüber war, dass in der Umgebung meines Betriebes keine anderen deutschen Praktikantinnen und Praktikanten wohnten, war es dennoch kein Problem für mich. Aufgrund dieser Situation durfte ich wahrscheinlich sogar noch ein bisschen mehr in die finnische Familie und ihre Lebensweise eintauchen. Als Ergebnis davon spreche ich nun viel flüssiger Englisch als bisher, was mich natürlich sehr freut.

Abschließend kann ich sagen, dass es die beste Entscheidung war, mein Praktikum in Finnland zu machen.!

Blick über die Dächer von Tallinns Altstadt.